Malerei

Kerstin Große: Malerei zwischen Zufall und Natur

Die künstlerische Arbeit von Kerstin Große ist eine Einladung, das Spannungsfeld zwischen bewusster Komposition und dem gelenkten Zufall zu erkunden. In ihren Werken fließen zwei gegensätzliche, aber sich ergänzende Ansätze zusammen: die abstrakte Aleatorik und die atmosphärische Interpretation der Natur.

Das aleatorische Prinzip: Die Kunst des Zufalls

Ein zentraler Aspekt im Schaffen von Kerstin Große ist die Aleatorik (vom Lateinischen alea für Würfel). Hierbei wird der Zufall nicht als Fehler, sondern als aktives Gestaltungselement begriffen.

Die Technik: In Werken wie „Aleatorik I, II und III“ nutzt die Künstlerin experimentelle Verfahren. Dabei kommen flüssige Farbaufträge, Schüttungen und Lasurtechniken zum Einsatz, bei denen die Eigendynamik der Materialien eine tragende Rolle spielt. Durch das bewusste Zulassen von chemischen Reaktionen der Pigmente oder das Ineinanderlaufen verschiedener Viskositäten entstehen organische Strukturen. Diese Formen lassen sich nicht am Reißbrett planen: Sie entstehen im Moment des Malprozesses und verleihen den Bildern eine unverwechselbare Tiefe und Lebendigkeit.

Naturimpressionen und atmosphärische Stimmungen

Neben dem freien Experiment findet Kerstin Große ihre Inspiration in der direkten Umgebung und der floralen Ästhetik. Hier ist der Prozess stärker von der Beobachtung und der Übersetzung von Stimmungen in Farbe geprägt.

Die Motive und Techniken:

  • Landschaft & Licht:
    In der Arbeit „Havel“ wird die weite Wasserlandschaft in eine malerische Form übersetzt. Die Technik konzentriert sich hier auf die Schichtung von Farben, um die wechselnden Lichtverhältnisse und die Tiefe des Raums einzufangen.
  • Florale Strukturen:
    Die Serien „Blüten V1 bis V4“, „Allium“ und „Sonnenblumen“ zeigen eine Auseinandersetzung mit organischen Formen. Kerstin Große nutzt hier oft eine Kombination aus pastosem Farbauftrag und feinen Linienzeichnungen, um sowohl die Zartheit als auch die architektonische Kraft der Pflanzen darzustellen.

Werkübersicht

  • Experimentelle Abstraktion: Aleatorik I, Aleatorik II, Aleatorik III
  • Florale Impressionen: Blüten-Serie (V1 bis V4), Allium, Sonnenblumen
  • Landschaftsstudien: Havel